Digitale Zeiterfassung im Handwerk: Pflicht ohne Bürokratie

Kurz gesagt: Arbeitszeit erfassen müssen Sie schon heute, das steht seit 2022 fest. Wie Sie es tun, ist noch Ihre Entscheidung. Fangen Sie einfach an, statt auf das perfekte System zu warten.

Aktualisiert: September 2026 · Lesezeit ca. 4 Minuten

Kaum ein Thema sorgt in Handwerksbetrieben für so viel Unsicherheit wie die Zeiterfassung: Muss ich das jetzt? Digital? Und stempeln sich meine Leute auf der Baustelle wirklich ein? Die gute Nachricht: Die Pflicht ist klar, die Umsetzung darf schlicht sein. Hier steht, was gilt und wie Sie es ohne Aufstand einführen.

Muss ich als Handwerksbetrieb Arbeitszeit erfassen?

Ja. Das Bundesarbeitsgericht hat im September 2022 entschieden, dass Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen müssen. Die Richter stützen sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2019. Diese Pflicht gilt bereits jetzt, unabhängig von der Betriebsgröße, und sie betrifft damit auch den kleinen Betrieb mit drei Gesellen.

Wichtig zur Einordnung: Es geht nicht darum, jede Zigarettenpause zu kontrollieren. Es geht um einen nachvollziehbaren Nachweis, dass Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden. Für Sie als Chef ist das übrigens kein reines Bürokratie-Übel: saubere Zeiten sind auch die Grundlage für eine ehrliche Nachkalkulation und für die Abrechnung von Überstunden ohne Streit.

Was heute schon gilt und was noch kommt

Die Form ist noch frei

Erfassen müssen Sie, wie Sie erfassen, ist derzeit noch offen. Papier-Stundenzettel, eine Excel-Tabelle oder eine App: nach aktueller Rechtslage alles zulässig, solange die Aufzeichnung vollständig und nachvollziehbar ist. Eine geplante Änderung des Arbeitszeitgesetzes sieht die elektronische Erfassung als Regelfall vor. Sie ist aber noch nicht in Kraft, und für kleine Betriebe sind Übergangsfristen im Gespräch. Wer heute digital startet, ist also nicht überpingelig, sondern schlicht vorbereitet.

Für Minijobber gilt schon länger mehr

Unabhängig vom neuen Urteil schreibt das Mindestlohngesetz seit Jahren vor, für Minijobber und Beschäftigte in bestimmten Branchen Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit innerhalb von sieben Tagen aufzuzeichnen und zwei Jahre aufzubewahren. Das wird bei Prüfungen tatsächlich kontrolliert. Ein sauber geführter Stundenzettel erfüllt das; eine App macht es nur bequemer und fälschungssicherer.

Papier, Excel oder App: was passt zu Ihrem Betrieb?

Meine Haltung dazu ist die gleiche wie bei jeder Digitalisierung: Integration statt Disruption. Sie brauchen nicht das teuerste System, sondern das, das Ihre Leute auf der Baustelle wirklich benutzen.

Der Stundenzettel auf Papier

Funktioniert, ist rechtlich zulässig und kostet nichts. Der Haken: Zettel gehen verloren, werden freitags aus dem Kopf ausgefüllt und müssen im Büro von Hand abgetippt werden. Für einen Ein-Mann-Betrieb völlig in Ordnung, ab ein paar Leuten frisst das Nachtragen Zeit.

Excel oder eine geteilte Tabelle

Der pragmatische Zwischenschritt. Kostenlos, jeder kennt es, und es ist besser als lose Zettel. Grenzen: keine echte Auswertung, kein Schutz vor nachträglichem Ändern, mobil auf dem Handy unkomfortabel.

Eine Zeiterfassungs-App

Für den Betrieb mit Monteuren im Außendienst meist die ehrlichste Lösung. Erfasst wird direkt auf der Baustelle per Handy, oft mit Zuordnung zum Auftrag, sodass die Stunden gleich in der Nachkalkulation landen. Wichtig bei der Auswahl: Server in der EU, ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter und eine Bedienung, die auch der Kollege ohne Smartphone-Affinität hinbekommt. Genau darum geht es im Leitfaden zur Handwerkersoftware: nicht Funktionslisten vergleichen, sondern beim größten Zeitfresser anfangen.

So führen Sie es ohne Aufstand ein

Erklären, warum

Zeiterfassung riecht schnell nach Misstrauen. Nehmen Sie dem den Wind aus den Segeln: Es geht um Rechtssicherheit, um korrekte Überstunden und darum, dass niemand mehr freitags Stunden schätzen muss. Wer den Sinn versteht, macht mit.

Klein anfangen

Führen Sie erst die reine Zeiterfassung ein, nicht gleich das große Personalsystem mit Urlaubsverwaltung und Schichtplanung. Ein Baustein, der läuft, ist mehr wert als fünf Module, die keiner nutzt.

An einen bestehenden Ablauf koppeln

Am besten funktioniert Erfassung, wenn sie zu einem Schritt gehört, den es sowieso gibt, etwa der Zuordnung der Stunden zum Auftrag. Dann fällt der Nachweis quasi nebenbei ab und liefert Ihnen zugleich Zahlen für Ihren Stundenverrechnungssatz.

Ehrlich eingeordnet

Für den Solo-Selbstständigen ohne Angestellte ist die BAG-Pflicht kein Thema; erfassen müssen Sie die Zeit Ihrer Mitarbeiter. Sobald Sie aber Leute beschäftigen, kommen Sie an einer Lösung nicht vorbei, und dann ist die Frage nicht ob, sondern wie schlank. Eine App lohnt sich meist ab dem Punkt, an dem das Abtippen von Zetteln oder Excel spürbar Bürozeit kostet. Bis dahin ist ein sauberer Stundenzettel kein Rückstand, sondern eine bewusste Entscheidung. Diese Wahl steht bei fast jedem Betrieb an, der sein Büro digitalisieren will: beim größten Zeitfresser anfangen, nicht beim schönsten Tool.

Häufige Fragen

Ist Zeiterfassung im Handwerk Pflicht?

Ja. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom September 2022 müssen Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen. Das gilt bereits jetzt und unabhängig von der Betriebsgröße.

Muss die Zeiterfassung digital sein?

Nach aktueller Rechtslage nein. Auch Papier oder eine Excel-Tabelle sind zulässig, solange erfasst wird. Eine geplante Änderung des Arbeitszeitgesetzes sieht die elektronische Erfassung als Regelfall vor, ist aber noch nicht in Kraft; für kleine Betriebe sind Übergangsfristen im Gespräch.

Reicht ein Stundenzettel für Minijobber?

Für Minijobber und einige Branchen schreibt das Mindestlohngesetz seit Langem vor, Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit innerhalb von sieben Tagen aufzuzeichnen und zwei Jahre aufzubewahren. Ein sauber geführter Stundenzettel erfüllt das, eine App macht es nur bequemer.

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